Lieferengpässe im Gesundheitswesen

Lieferengpässe im Krankenhaus werden oft klein geredet. Ein LKW kommt nicht. Ein Lieferant fällt aus. Der Einkauf soll es irgendwie lösen.

Das greift zu kurz.

Lieferengpässe sind kein Pech und kein kurzfristiges Marktversagen. Sie sind das Ergebnis von Entscheidungen, die wir im Gesundheitswesen und in der Politik über viele Jahre getroffen haben – oder eben nicht.

Im aktuellen HealthCareBrain Podcast-Podcast sprechen Lennart Eltzholtz und ich genau darüber. Hier die wichtigsten Erkenntnisse – einfach erklärt.


1. Warum „Produktion zurück nach Europa“ kein einfacher Hebel ist

„Dann produzieren wir halt wieder in Europa.“

Das klingt logisch. Und fühlt sich gut an.

Das Problem: Medizinprodukte entstehen heute nicht an einem Ort.

Eine Infusionspumpe zum Beispiel besteht aus:

  • Rohstoffen aus Land A
  • Elektronik aus Land B
  • Software aus Land C
  • Montage in Land D
  • Verpackung in Land E

Manchmal sind 15 bis 20 Länder beteiligt.

Wer glaubt, man könne einfach „China gegen Europa tauschen“, übersieht drei Dinge:

  • die technische Komplexität
  • die strengen Zulassungsregeln (MDR)
  • und die Kosten

Wir haben das bei FFP-Masken gesehen: Produktion wurde zurückgeholt – und verschwand wieder.

Nicht aus bösem Willen. Sondern weil Krankenhäuser die Preise nicht zahlen können, die europäische Produktion dauerhaft braucht.

Zumal: Im deutschen Gesundheitswesen wurde jahrelang gespart. Die Preise sind im internationalen Vergleich bereits niedrig. Und trotzdem soll weiter gespart werden.

Das passt schlicht nicht zusammen.

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2. Warum der Markt das Problem nicht löst

Wir sagen gern: „Der Markt regelt das.“

In Wirklichkeit sehen wir etwas anderes:

  • In vielen Produktgruppen gibt es nur noch wenige Anbieter
  • Diese beliefern große Teile des Weltmarkts

Fällt einer aus, kippt das System.

Das gilt für:

  • Medizinprodukte
  • genauso wie für Arzneimittel

Wenn dann noch Transporte stocken oder Produktionen stillstehen, passiert das, was wir alle kennen:

  • Engpassmeldungen
  • hektische Umstellungen
  • Frust bei Ärzt:innen und Pflege
  • Ärger auf den Einkauf

Rahmenverträge helfen dann nicht mehr. In solchen Momenten zählt nur eines: Ist das Produkt da – ja oder nein?

Und wenn es knapp wird, wird plötzlich jeder Preis akzeptiert.


3. Warum Regulierung neue Engpässe erzeugen kann

Regeln sind wichtig. Sie sollen Sicherheit schaffen.

Aber sie haben Nebenwirkungen.

Die MDR hat Medizinprodukte sicherer gemacht. Gleichzeitig hat sie den Markt ausgedünnt – besonders bei:

  • Nischenprodukten
  • Pädiatrie
  • seltenen Erkrankungen

Dazu kommen neue handelspolitische Regeln wie die International Procurement Instrument (IPI) der Europäische Kommission.

Viele Produkte sind heute:

  • offiziell von EU- oder US-Herstellern
  • CE-zertifiziert

Aber: Ein großer Teil der Wertschöpfung findet in China statt.

Krankenhäuser wissen das oft nicht, weil:

  • Lieferketten kaum transparent sind
  • Hersteller das nicht offenlegen müssen

Gleichzeitig macht die MDR Lieferketten starr: Wenn Hersteller etwas ändern, riskieren sie eine neue Zertifizierung.

Das Ergebnis:

  • Hersteller können Lieferketten kaum anpassen
  • Krankenhäuser dürfen Produkte teilweise vergaberechtlich nicht mehr kaufen
  • Alternativen fehlen

Ein klassischer Lock-in-Effekt.


🔎 Kurz erklärt: die „China-Regelung“

Grundlage ist das International Procurement Instrument (IPI) der Europäische Kommission.

  • Es betrifft öffentliche Ausschreibungen
  • Entscheidend ist der Wertschöpfungsanteil, nicht das Herkunftslabel
  • Produkte mit hohem China-Anteil dürfen benachteiligt werden

Das Problem: Globale Lieferketten + starre MDR = kaum schnelle Alternativen = reales Versorgungsrisiko


4. Was heißt das konkret für Krankenhäuser?

Nicht jammern. Nicht moralisieren. Nicht auf „die Politik“ warten.

Sondern professionell handeln.

Erstens: Alternativen vorab klären Produkte und Behandlungsoptionen – nicht erst im Notfall.

Zweitens: Eng kommunizieren Zwischen Einkauf, Ärzt:innen und Pflege. Sonst wird jede Umstellung zur Vertrauenskrise.

Drittens: Keine Panikbestellungen Hamstern verschärft Engpässe (Bullwhip-Effekt).

Viertens: Markt aktiv mitgestalten Versorgungssicherheit entsteht durch:

  • mehrere Lieferanten
  • langfristige Verträge
  • den Mut, auch kleinere Anbieter aufzubauen

Fünftens: Logistik strategisch denken Planung, Pufferlager, professionelle Strukturen. Nicht „Bestellung aus dem OP“, sondern Lieferkette vom Bedarf bis zum Hersteller.

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5. Die unbequeme Wahrheit

Lieferfähigkeit ist kein operatives Detail. Sie ist ein strategisches Führungs- und Managementthema.

Krankenhäuser, die Engpässe weiter als „Störung im Tagesgeschäft“ behandeln, werden nicht nur Lieferprobleme haben – sondern echte strukturelle Nachteile.

Die Frage ist nicht, ob Engpässe kommen. Sondern wie gut ein Haus vorbereitet ist.

Und ob man weiter auf Improvisation setzt – oder endlich auf Strategie.

Ich wünsche Dir einen guten Start in die Woche.

Herzlichst Kerstin

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