Grenzen setzen als Selbstständige: Warum Sinn und Freiheit zusammengehören
Ich mag leuchtende Augen. Wenn eine Idee ankommt und jemand sich darüber freut, möchte ich gern noch mehr möglich machen. Genau deshalb fällt mir das Grenzen setzen als Selbstständige manchmal schwer. Es geht dabei um meine Zeit, aber auch um Geld und die Frage, wie viel ich geben möchte.
In einem LinkedIn-Beitrag habe ich über meine Zeit in einem Township in Südafrika geschrieben. Wir haben aus Plastikflaschen gebastelt, ich habe Löwen gemalt, Buntstifte mitgebracht und Suppe gekocht. Wir haben auch einen Betonboden gegossen. Die Freude darüber, danach keine dreckigen Füße mehr zu haben, ist mir in Erinnerung geblieben.

Was mich an leuchtenden Augen berührt
Ich kenne auch Menschen mit sehr viel Geld, schönen Häusern und einer Yacht. Und ja: Eine Yacht finde ich ziemlich gut. Mein Gedanke ist deshalb keine romantische Geschichte darüber, dass Armut glücklich mache. Das tut sie nicht. Geld ist auch nichts Schlechtes.
Mir ist etwas anderes aufgefallen: Ich reagiere stark darauf, wenn ich unmittelbar sehe, dass mein Beitrag einen Unterschied macht. Ein sichtbares Ergebnis, eine ehrliche Freude oder eine gelöste Schwierigkeit bedeuten mir viel. Diese Wirkung lässt sich nicht einfach an der Höhe eines ausgegebenen Betrags ablesen.
Wenn aus Hilfsbereitschaft ein ständiges Mehr wird
Wer gern hilft und gestaltet, findet fast immer noch etwas, das möglich wäre. Noch ein Problem lösen. Noch jemanden unterstützen. Noch eine Idee umsetzen. Jede einzelne Entscheidung kann sich sinnvoll anfühlen. Zusammen beanspruchen sie aber Zeit, Aufmerksamkeit und Geld.
Für mich liegt die Frage deshalb nicht darin, ob ich großzügig sein möchte. Sie lautet: Entscheide ich gerade bewusst, was ich gebe? Oder lasse ich mich von der nächsten Gelegenheit tragen, ohne meine eigenen Möglichkeiten mitzudenken?
Wirkung braucht nicht immer mein Geld
Manchmal ist eine Idee hilfreich. Manchmal Zeit oder echtes Zuhören. Manchmal ein gemalter Löwe oder eine Suppe. Das macht einen Beitrag nicht kleiner. Es erinnert mich daran, dass Unterstützung unterschiedliche Formen haben kann.
Auch in meiner Arbeit möchte ich gestalten und etwas bewegen. Wie eng diese Motivation mit meiner beruflichen Entwicklung verbunden ist, beschreibe ich im Beitrag über meine berufliche Neuorientierung als Führungskraft.
Drei Fragen, bevor ich wieder Ja sage
Was kann ich hier wirklich beitragen? Nicht jede Schwierigkeit braucht dieselbe Art von Unterstützung. Vielleicht hilft ein Gespräch mehr als eine zusätzliche Ausgabe.
Was möchte ich dafür bewusst einsetzen? Zeit, Energie und Geld sind unterschiedliche Ressourcen. Ich darf entscheiden, welche davon ich geben möchte und wo meine Grenze liegt.
Bleibt auch Raum für meine eigenen Wünsche? Sinnvolle Arbeit und persönliche Freiheit schließen sich für mich nicht aus. Meine Pläne dürfen neben den Anliegen anderer Menschen bestehen.
Ich darf Sinn und Freiheit haben
Mein Geld darf auch einmal bei mir bleiben. Dieser Satz nimmt der Freude am Helfen nichts weg. Er erinnert mich nur daran, dass ich nicht jede Wirkung selbst finanzieren muss.
Geld schafft für mich Freiheit. Wirkung schafft Sinn. Ich möchte beides haben: die leuchtenden Augen und irgendwann vielleicht auch die Yacht. Mehr über meinen Weg und meine Arbeit finden Sie unter Über mich.
Von Dr. Kerstin Stachel. Für die Website überarbeitet aus dem LinkedIn-Beitrag vom 22. September 2026. Originalbeitrag lesen.