Berufliche Neuorientierung als Führungskraft: Warum ich heute anders arbeite
Berufliche Neuorientierung als Führungskraft muss nicht bedeuten, dass man weniger Verantwortung übernehmen möchte. Für mich war sie mit einer anderen Frage verbunden: Wo kann ich die Wirkung entfalten, die mir wichtig ist?
Jemand fragte mich, warum ich nicht mehr als kaufmännische Direktorin einer Universitätsklinik arbeite. Ich habe kurz überlegt. Die ehrliche Antwort passt nicht in einen glatten Karrieresatz.
Ich liebe Krankenhäuser. Die Komplexität von Unikliniken und Maximalversorgern. Versorgung. Prozesse, die besser werden. Teams, die wieder handlungsfähig sind. Daran hat sich nichts geändert. Verändert hat sich die Form, in der ich daran arbeite.

Wenn die Rolle nicht mehr zum eigenen Antrieb passt
Je höher man in einer großen Klinikorganisation kommt, desto stärker wird die Arbeit politisch. Damit meine ich nicht nur Parteipolitik. Ich meine Gremien, Interessen, Erwartungen, Zuständigkeiten, Kompromisse und lange Entscheidungswege.
Das alles gehört zu großen Organisationen. Trotzdem saß ich irgendwann in Sitzungen und dachte: Das, worum es mir wirklich geht, kommt hier nicht ausreichend vor. Wie gewinnen wir Zeit für Patientinnen und Patienten? Wie entlasten wir Mitarbeitende? Wie werden aus Abstimmungsschleifen wieder funktionierende Abläufe?
Vielleicht fehlte mir für diese politische Ebene das Durchhaltevermögen. Vielleicht hatte ich auch zu sehr das Gefühl, mich verbiegen zu müssen. Ich muss daraus keine allgemeine Regel machen. Für meine eigene berufliche Entscheidung war diese Wahrnehmung aber wichtig.
Neuorientierung ist nicht automatisch ein Schritt zurück
Eine Laufbahn sieht von außen oft einfacher aus, als sie sich von innen anfühlt. Ein größerer Verantwortungsbereich, ein bekannter Titel, ein Platz in einem wichtigen Gremium: Das sind sichtbare Zeichen. Ob die tägliche Arbeit zu den eigenen Stärken passt, sieht man daran nicht unbedingt.
Heute arbeite ich konkreter, näher an den Menschen und unabhängiger. Ich kann Einkauf, Logistik, Personal, Führung und Verwaltung zusammenbringen. Mich interessiert, ob dadurch vor Ort etwas leichter wird. Nicht nur, ob ein Konzept schlüssig klingt.
Meinen beruflichen Hintergrund finden Sie unter Über mich. Er gehört zu meiner heutigen Arbeit. Ich habe diese Erfahrung nicht hinter mir gelassen. Ich setze sie in einer anderen Rolle ein.
Drei Fragen zur beruflichen Neuorientierung als Führungskraft
Welche Aufgaben geben mir Kraft?
Es lohnt sich, den Kalender genauer anzusehen. Bei welchen Aufgaben entsteht das Gefühl, etwas Sinnvolles zu bewegen? Bei welchen geht es vor allem darum, Erwartungen zu erfüllen? Die Antwort muss nicht sofort zu einem Wechsel führen. Sie kann auch zeigen, was sich innerhalb der bestehenden Rolle verändern sollte.
Was möchte ich gestalten?
„Ich möchte etwas anderes machen“ ist verständlich, bleibt aber ungenau. Hilfreicher ist eine konkrete Vorstellung: Will ich Teams begleiten? Entscheidungen schneller in die Umsetzung bringen? Ein Fachgebiet vertiefen? Wer das benennen kann, kann mögliche Rollen besser prüfen.
Welche Verantwortung passt zu mir?
Verantwortung hat unterschiedliche Formen. Sie kann in einer dauerhaften Leitungsfunktion liegen, in einer zeitlich begrenzten Aufgabe oder in der Begleitung eines Veränderungsprozesses. Wichtig ist, welche Gestaltungsmöglichkeiten tatsächlich dazugehören. Ein neuer Titel allein beantwortet diese Frage nicht.
Was mein Weg nicht beweisen soll
Meine Entscheidung ist keine Empfehlung, eine Führungsposition vorschnell aufzugeben. Große Organisationen brauchen Menschen, die auf der strategischen und politischen Ebene ausdauernd arbeiten. Andere entfalten ihre Stärke näher an den konkreten Abläufen. Beides hat seinen Wert.
Für mich liegt die Kraft heute dort, wo Menschen im Alltag Zeit verlieren oder Zeit gewinnen. Wo eine Zuständigkeit endlich geklärt wird. Wo ein Team wieder arbeiten kann, statt Hindernisse zu verwalten. Genau dort möchte ich gestalten.
Wenn Sie wissen möchten, wie diese Arbeit heute aussieht, finden Sie Beispiele für meine Schwerpunkte unter Beratung, Coaching und Interim-Management. Für einen Austausch über Führung und Veränderung können Sie Kontakt mit mir aufnehmen.
Von Dr. Kerstin Stachel. Weiterentwickelt aus meinem LinkedIn-Beitrag „Warum ich nicht mehr kaufmännische Direktorin bin“.